Einiges über mich:
Mein Name ist Silvia Logemann, geb.1977, seit 1993 bin ich an der Nervenkrankheit Multiple Sklerose - kurz MS - erkrankt.Schon immer stand der Reitsport bei mir im Mittelpunkt . Erst als ich 2013 meinen absoluten gesundheitlichen Tiefpunkt hatte  und mich ein schwerer Schub ans Bett fesselte,  schien es damit vorbei zu sein . Ich hatte nicht zu hoffen gewagt mich durch eine neue Medikation, Physiotherapie und das Reiten wieder soweit erholen zu können . Eigentlich sollte nach dem Krankenhausaufenthalt eine längere stationäre Reha anstehen, doch ich entschied mich wieder für das Training mit meinem damaligen Therapiepony "Falko". Durch diese Kombination stabilisierte sich mein Zustand zusehends und es entstand bald der Wunsch nach einem größeren Pferd um auch einmal an Para-Dressurprüfungen teilzunehmen. -dazu später mehr.....

 Im Laufe der Zeit wurde mir bewusst, dass es ein glücklicher Umstand war,  schon immer geritten zu haben.  Der Wunsch - trotz der Erkrankung - den Reitsport weiter zu betreiben wurde zu einer Notwendigkeit.  Die positive Wirkung des reitens auf meine Erkrankung ist unbestritten .

 Um an Paraturnieren teilnehmen zu können benötigt man zunächst mal eine Klassifizierung der eigenen Behinderung . Dazu kann mann sich an das DKTHR ( Deutsches Kuratorium für Therapeutisches reiten ) wenden . Die Klassifizierungen werden von speziell ausgebildeten Fachärtzten durgeführt . Je nach schwere des Handicaps wird man in eine der 5 Katagorien eingestuft . Da ich ab der Hüfte abwärts in den Beinen kaum etwas fühle bin ich im Grade 1 A eingestuft .

Mit den Beinen habe ich nur geringe Einwirkung weil wenig Kraft vorhanden ist und die Muskelatur sich nur eingeschränkt steuern lässt . Die Füsse sind Taub . Das ist auch der Grund warum ich nur kurze Strecken zu laufen imstande bin und auf den Rollstuhl zurückgreife um Kräfte zu sparen und nicht zu stürzen  . Es reicht aber gerade so um über eine extra für mich angefertigte Treppe aufs Pferd zu kommen . Wenn ich erst mal oben bin ist alles andere beinahe so wie bei jedermann . Nur das dazu neben der kompletten Palette  MS typyscher Probleme ( Gleichgewichtsstörungen , Taubheitsgefühle in den Händen )  auch die für MS Patienten typischen unwillkürlichen Krämpfe in den betroffenen Extremitäten,  die die Muskulatur plötzlich bis zum Maximum  zusammenziehen lassen kann , kommen . Das ist mitunter nicht nur schmerzhaft, sondern kann auch leicht vom Pferd missverstanden werden .

All das kann jeden Tag anders sein und so muss  nicht nur ich als Reiter, sondern auch mein Pferd sich immer wieder neu auf die aktuelle Situation einstellen .  Erstaunlicherweise sind manche Pferde allerdings in der Lage auch solche Probleme zu kompensieren . So einem Pferd wird einiges abverlangt gerade weil ich in meinem Grade eigentlich nur Schritt reiten darf  . Das Pferd muss auf seinen Reiter achten . Die Komunikation zwischen Reiter und Pferd muss hier noch feinfühliger funktionieren . Da wo kein Schenkel einwirken kann muss eben die Gewichtshilfe und Stimme reichen . Natürlich kann man sich bei der Klassifizierung als Hilfsmittel auch zwei Gerten eintragen lassen die die Schenkel ersetzen sollen . So ist es bei mir . Ausserdem darf ich noch spezielle Bügel verwenden die ein herausrutschen verhindern. Das würde ich sonst erst zu spät merken . Ansonsten ist mir noch eine Kandare gestattet in der beide Zügel zu einem einzigen zusammengeführt sind .

All diese benötigten kompensatorischen Hilfsmittel werden in einem Sportgesundheitspass eingetragen welchen man auf dem Turnier vorlegen muss . Damit dürfte ich auch auf Regelturnieren starten . Es gibt allerdings dort keine Aufgaben die nur im Schritt geritten werden . Auf Paraturnieren gibt es dafür von der FEI international vorgegebene Aufgaben . Dort reiten wir drei Prüfungen meist an drei Tagen . Beginnend mit der Einlaufprüfung , gefolgt von der Championatsaufgabe . Hat man die erfolgreich geritten darf man am dritten Tag die eigene Kür mit eigener Musik reiten . Die muss eine Reihe vorgegebener Elemente enthalten . Diese Turniere finden in ganz Europa und der Welt statt , leider nirgendwo in Niedersachsen .
  Bei meinem aktuellen Pferd Danjo benötigen ich  weder Kandare noch Gerte .- Ich bin zwar, zum Glück, in den letzten Jahren nicht ein einziges mal runtergefallen - Schritt ist ja auch eigentlich nicht so gefährich, doch nimmt ein Pferd natürlich auch seine Umwelt wahr und ich bin dankbar wenn mein Danjo sich manche Dinge, die da draussen so passieren, nicht so zu Herzen nimmt . Allerdings nur wenn er mich tragen muss . Mein Danjo kennt auch noch ein paar andere Gangarten . Die hebt er sich aber für meinen Mann auf und ich hab da immer ein bisschen Angst um ihn wenn Danjo beim Abreiten mal wieder zeigt was in ihm steckt. 

Video : Reiten als Therapie 2012

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